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Bewegung

Faszien – die geheimnisvolle Welt unter der Haut

Autorenbild von Daniel Büschel
Daniel Büschel
26.05.2021 | 5 Minute(n) Lesezeit

Entdeckt wurden Faszien bereits vor Jahrhunderten, nur war sich damals niemand der Bedeutung dieser Strukturen bewusst. Im Gegenteil: Bei anatomischen Sektionen wurden sie oft achtlos weggeschnitten, um den viel wichtigeren Muskel freizulegen. An ein Faszientraining hat damals niemand gedacht. Mittlerweile weiß man aber, welche wichtigen Funktionen Faszien in unserem Körper haben und dass es sich lohnt, diesem Gewebe etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Faszien – ein komplexes Netzwerk

Das Fasziengewebe wird häufig auch als Bindegewebe bezeichnet. Dieses Geflecht umhüllt netzartig sämtliche Muskeln, Organe und sogar Knochen. Es trennt die einzelnen Körperbestandteile, sodass keine Reibung entsteht. Zum anderen verbindet es diese aber auch miteinander und ermöglicht so beispielsweise die Kraftübertragung vom einen auf den anderen Muskel. Die Faszien geben unserem Körper somit seine Form und halten ihn beweglich und verleihen außerdem unseren Muskeln Stabilität und Festigkeit. Ohne Faszien würde unser Körper einfach in sich zusammenfallen und unsere Muskeln ihre Form verlieren.
Unser Fasziengewebe ist etwa zwischen 0,5 und 3 Millimeter dick und ist weißlich und leicht durchsichtig. In den Faszien befinden sich einzelne, miteinander verwobene Fasern. Diese bestehen hauptsächlich aus den Strukturproteinen Kollagen und Elastin sowie Wasser. Während das Kollagen für die Reißfestigkeit der Faszien sorgt, gewährleistet das Elastin die Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit der Fasern. Durch diesen Aufbau verleihen Faszien unserem Körper zugleich Stabilität und Elastizität.
Du kannst dir nicht genau vorstellen, wie Faszien aussehen? Schau dir bei der nächsten Fleischzubereitung das Rindersteak oder die Hühnerbrust einmal genauer an. Hier findet sich häufig eine dünne und fast durchsichtige Hautschicht, die das Fleisch umhüllt. Auch dabei handelt es sich um eine Form von Fasziengewebe. Ein anderes Beispiel für im Alltag sichtbare Faszien sind die feinen Häute, die die einzelnen Fruchtkammern von Zitrusfrüchten wie Orangen oder Zitronen umgeben. Ebenso wie im menschlichen Körper haben auch diese Faszien die Aufgabe, die einzelnen Bestandteile der Frucht voneinander zu trennen, also nach außen abzugrenzen, und zugleich für einen Zusammenhalt nach innen zu sorgen.

Die Aufgaben von Faszien

Faszien haben außer ihrer strukturellen Funktion noch weitere wichtige Aufgaben und Eigenschaften:

  1. Fasziales Bindegewebe ist ein zentrales Sinnesorgan für die Körperwahrnehmung (Propriozeption).
  2. Das Fasziennetz ist mit unzähligen Nervenendungen, Bewegungs- und Schmerzrezeptoren durchsetzt.
  3. Der Zustand unserer Faszien hat entscheidenden Einfluss auf unser physisches und psychisches Wohlbefinden sowie unsere Leistungsfähigkeit.
  4. Beweglichkeit und Kraft hängen unmittelbar von der Elastizität und Gleitfähigkeit des Bindegewebes ab.
  5. Faszien sind für die Kraftübertragung von Muskel zu Muskel zuständig.
  6. Faszien können sich selbstständig zusammenziehen, Energie speichern und z. B. in Form von Sprungkraft wieder freigeben.

Faszien können verkleben

Gesunde Faszien bestehen aus gitterförmig angeordneten Fasern, die ineinander verwoben eine dünne, aber reißfeste und zudem dehnbare Gewebeschicht bilden. Die feinen Fasernetze können jedoch ineinander verwachsen und sich verhärten – man spricht hier von „verklebten Faszien“. Eine solche Faszien-Verklebung kann mehrere Ursachen haben: Sowohl Bewegungsmangel als auch Bewegungsüberlastungen können zu verklebten und verhärteten Faszien führen. Auch durch physische Traumata oder zunehmendes Alter können die Faszien verkleben.

Schon gewusst

Die Faszienspannung wird von unserem autonomen Nervensystem beeinflusst. Innere Gelassenheit senkt unsere Körperspannung, während langanhaltender Stress die Grundspannung unserer Faszien erhöhen kann. Umgekehrt beeinflusst auch der Zustand unserer Faszien unser inneres Wohlbefinden: Stehen unsere Faszien unter hoher Spannung, fühlen wir uns gestresst und finden keine innere Ruhe.

Verklebte Faszien können unterschiedliche Symptome nach sich ziehen, wie etwa eine Einschränkung der Beweglichkeit. Auch Schmerzen und Verspannungen im Rücken, Nacken oder in den Schultern werden seit einigen Jahren vermehrt auf verklebte Faszien zurückgeführt.

Faszientraining

Viele schwören auf die Faszienrolle, eine Hartschaumrolle, mit der man das Gewebe „ausrollen“ und die Geschmeidigkeit der Faszien verbessern könne. Was man weiß, ist, dass durch das Ausrollen die Durchblutung der Muskulatur angeregt und der Stoffwechsel im Bindegewebe verbessert wird. Das kann für bessere Beweglichkeit sorgen und die Regeneration nach einem anstrengenden Training unterstützen. Doch ein Training mit der Faszienrolle alleine reicht nicht aus, es ist lediglich eine Ergänzung. Da unsere Faszien eng mit unseren Muskeln verbunden sind, bleibt die Faszienrolle ohne ausreichend Bewegung und ein Training der Muskulatur wirkungslos. Ein Ganzkörpertraining mit dynamischen Dehnübungen sowie federnden Übungen wie Seilspringen ist deshalb das Beste, was du für dein Fasziengewebe tun kannst. So wird das Gewebe Zug und Druck ausgesetzt und bleibt geschmeidig.

3 Tipps für geschmeidige Faszien

1. Trainiere deinen Körper ganzheitlich

Ein Ganzkörpertraining, das mit weichen, dynamischen Dehn- und Kräftigungsübungen ganze Muskelketten trainiert, ist am besten für deine Faszien, denn nur ein trainiertes Muskel- und Fasziengewebe ist auch ein bewegliches Gewebe. Beispiele für ein solches Ganzkörpertraining sind Yoga, Pilates, Tai-Chi oder Qigong. Regelmäßig praktiziert wird der gesamte Körper besser durchblutet und dadurch auch das Fasziengewebe optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Ein paar passende Beweglichkeitsübungen für mehr Geschmeidigkeit findest du in diesem Video:

2. Nutze eine Faszienrolle

Ein Ganzkörpertraining für sich alleine sorgt zwar für eine bessere Beweglichkeit und Durchblutung unseres Gewebes, löst jedoch nicht alle Verklebungen unserer Faszien und reicht manchmal bei hartnäckigen Verklebungen nicht aus. Aus diesem Grund stellt eine Faszienrolle eine gute Ergänzung zu deinem Training dar. Mit ihrer Hilfe kannst du ganz einfach zu Hause die Verklebungen deiner Faszien lösen und so für ein gesundes und schmerzfreies Bindegewebe sorgen. Sinnvoll mit einem Ganzkörpertraining kombiniert kann es die Beweglichkeit dauerhaft verbessern.

3. Achte auf genügend Flüssigkeit und eine gesunde Ernährung

Eine gesunde Ernährung und viel Flüssigkeit unterstützen die Beweglichkeit unserer Faszien, die hauptsächlich aus Proteinen (Eiweiß) und Wasser – hieraus zu etwa 75 %! – bestehen. Die ausreichende Zufuhr von mineralhaltigem Wasser wirkt sich also positiv auf das Fasziensystem aus. Auch ungesättigte Fettsäuren sind wichtig, da sie die Zellmembranen des Fasziengewebes geschmeidig halten. Gesunde Kohlenhydrate wie Obst und Gemüse sowie Hülsenfrüchte sorgen für eine ausreichende Versorgung des Fasziengewebes mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Fazit

Ein ganzheitliches Training mit Beweglichkeits- und Kräftigungsübungen hält deine Faszien geschmeidig. Diesen Prozess kannst du mit einer Faszienrolle unterstützen und zudem deine Regeneration beschleunigen. Eine gesunde Ernährung mit genügend Wasser versorgt deine Faszien außerdem mit den notwendigen Nährstoffen.

Autorenbild von Daniel Büschel
Daniel Büschel

Daniel Büschel ist Gesundheitsmanager. Für ihn ist klar, dass die meisten körperlichen Probleme aufgrund von zu wenig Bewegung entstehen. Auch eine gesunde Ernährung ist für ihn ein wichtiger Faktor. Deshalb möchte er andere Menschen dazu inspirieren, sich mehr zu bewegen und sich mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen. Seine Leidenschaft sind Functional Fitness und das Training mit dem eigenen Körpergewicht. Sein Motto: "The body is made for movement, so don't waste it. Move yourself!"

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