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Sucht und Abhängigkeit – das musst du wissen!

Autorenbild von Annalena Jachnik
Annalena Jachnik
06.10.2021 | 17 Minute(n) Lesezeit

Kennst du das auch? Du greifst immer wieder in die Chipstüte, obwohl du eigentlich schon lange satt bist. Du öffnest andauernd die Social-Media-Apps auf deinem Smartphone, die du vor einer Minute erst geschlossen hast, obwohl du jetzt endlich mal konzentriert arbeiten solltest. Beim Online-Shopping wolltest du eigentlich auch nur eine neue Jeans bestellen, aber nach langem Scrollen landen doch noch zwei andere Hosen im Warenkorb. Und drei Oberteile und ein paar Accessoires … Das ist schon irgendwie eine Sucht, oder?

Definition und Suchtverhalten

Manche Alltagssituationen kommen uns fast wie eine Sucht vor. Doch was bedeutet der Begriff eigentlich? Und ab wann ist man wirklich süchtig? Und was können die Folgen einer tatsächlichen Abhängigkeitserkrankung sein? Im Folgenden findest du Antworten auf diese Fragen.

Was ist eine Sucht?

Der Begriff Sucht beschreibt die psychische und/oder physische Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten.
Das jeweilige Suchtmittel löst im Gehirn Emotionen wie z. B. Wohlbefinden und Euphorie aus, was zu einer Verknüpfung von Suchtmittel und positiven Effekten führt. Beim Ausbleiben dieses positiven Reizes tritt ein unkontrollierbarer Wunsch nach dem Suchtmittel auf. Ein Suchtmittel ist eine kurzfristige Lösung, um in einer schlechten Ausgangssituation eine scheinbare Besserung zu erlangen. Sobald die Wirkung des Suchtmittels nachlässt, kehrt für den Betroffenen allerdings die schwierige Realität zurück und der Wunsch nach einem erneuten Konsum wird immer stärker.

Ab wann ist man süchtig?

Eine Suchterkrankung bleibt meist lange unentdeckt, da der Konsum von den Betroffenen häufig aus Scham geheim gehalten wird. Die Erkrankung kann durch Ärzte, Psychologen oder Psychotherapeuten mithilfe körperlicher Untersuchungen, einem Anamnesegespräch und durch Fragebögen diagnostiziert werden.

Es gibt sechs zentrale Symptome bei einer Abhängigkeitserkrankung:

1. Starker Wunsch, Verlangen oder Zwang
Ist dein Suchtmittel alles, woran du denken kannst? Sehnst du dich regelrecht danach?

2. Kontrollverlust
Hattest du schon einmal das Gefühl, dass du einfach konsumieren musstest ⎼ ohne selbst entscheiden zu können, wann, wie lange und in welchem Ausmaß?

3. Abstinenzunfähigkeit
Kannst du einfach nicht mit dem Konsum aufhören, obwohl du selbst aufhören willst oder sogar schon mit negativen gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen konfrontiert bist?

4. Toleranzbildung
Brauchst du im Vergleich zu früher immer mehr von deinem Suchtmittel, um den gewünschten Effekt zu erzielen?

5. Entzugserscheinungen
Hast du dich schon körperlich unwohl, nervös oder depressiv gefühlt, wenn du weniger oder länger nicht konsumiert hast?

Schon gewusst

Häufige Entzugserscheinungen sind etwa: Schwitzen, Frieren, Zittern, Gliederschmerzen, Schlafstörungen, Halluzinationen, Krampfanfälle oder Kreislaufzusammenbruch bei Substanzabhängigkeit; Nervosität und Aggression bei Verhaltenssüchten.

6. Sozialer Rückzug
Geht dein Interesse an anderen Beschäftigungen und Aktivitäten zunehmend verloren? Hast du schon einmal deine Verpflichtungen, deine Arbeit oder deine Freunde vernachlässigt, weil dein Konsum Vorrang hatte?

Wenn mindestens drei dieser Symptome innerhalb der letzten 12 Monate auf dich zutreffen, liegt in der Regel eine Abhängigkeit vor.

Außerdem gibt es einige zusätzliche Warnzeichen, auf die du achten kannst:
Haben dich Freunde oder Familie schon einmal besorgt auf dein Konsumverhalten angesprochen? Versteckst du manchmal vor anderen, dass du konsumierst, weil du dich schämst, es dir peinlich ist oder du Schuldgefühle hast? Konsumierst du manchmal an Orten, die eigentlich nicht dafür gedacht sind (z. B. Alkohol im Büro statt mit Freunden in einer Bar)? Verheimlichst du dein Suchtverhalten und leugnest es, wenn du darauf angesprochen wirst?

Arten und Folgen von Sucht

Wonach kann man süchtig sein?

Natürlich gibt es verschiedene Arten von Süchten. Grundlegend lassen sich die Suchtmittel in stoffgebundene und nicht-stoffgebundene unterteilen.
Die stoffgebundene Abhängigkeit beinhaltet immer eine zu konsumierende Substanz. Dazu gehören legale Drogen, wie zum Beispiel Tabak und Alkohol, aber auch Medikamente (Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel) und illegale Drogen wie zum Beispiel Cannabis, Kokain oder Heroin.
Unter nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten versteht man Verhaltenssüchte. Dazu gehören beispielsweise Glücksspiel-, Computerspiel- oder Internetsucht, Arbeitssucht oder Sexsucht sowie Sportsucht oder Kaufsucht.

Folgen

Ganz allgemein kann man sagen: Die Lebenserwartung einer suchtkranken Person ist deutlich niedriger als bei Personen ohne Abhängigkeitserkrankung. Dabei begehen 10⎼15 % der Suchtpatienten Selbstmord. In Deutschland sterben jährlich über 40.000 Menschen an den Folgen einer Alkoholerkrankung, mindestens 110.000 Menschen an den Folgeerkrankungen des Rauchens und 1500 Menschen an den Nebenwirkungen von „harten“ Drogen.
Auch, wenn es nicht so schlimm kommen muss – eine Abhängigkeitserkrankung hat viele negative Auswirkungen, bevor sie akut lebensbedrohlich wird.
Zusätzlich zur Abhängigkeitserkrankung an sich können beispielsweise schwerwiegende psychische Probleme wie Depressionen auftreten. Insbesondere bei illegalen, aber auch bei legalen Drogen wie Alkohol können mit der Zeit gravierende körperliche Schädigungen entstehen, die sich häufig nur schwer beheben lassen.
Eine Abhängigkeitserkrankung hat außerdem häufig soziale Folgen. Durch die Vereinnahmung der Betroffenen folgt häufig ein gesellschaftlicher und beruflicher Abstieg; insgesamt ziehen sich suchtkranke Personen zunehmend aus ihrem Freundeskreis zurück und vereinsamen. Gerade bei kostspieligen Suchterkrankungen aufgrund teurer Suchtmittel kommt es vermehrt zu finanziellen Problemen und Verschuldung. Arbeitslosigkeit und Partnerschaftskonflikte bis hin zur Trennung sind zudem keine Seltenheit. Bei jugendlichen Betroffen lässt sich meist ein Abfall der schulischen Leistungen beobachten, was längerfristig ebenfalls zu Problemen führen kann.

Entstehung und Ursachen

Jetzt ist klar, wie man eine Suchterkrankung erkennt und was mögliche Folgen sind. Doch wie entsteht eine Sucht überhaupt und was können Ursachen sein? Im nächsten Abschnitt helfe ich dir zu verstehen, wie sich eine Abhängigkeitserkrankung entwickeln kann.

Wie entsteht eine Sucht?

Manche Drogen mit einem hohen Suchtpotenzial, das können legale wie Nikotin oder illegale wie Heroin sein, bewirken schon nach kurzer Zeit eine starke Abhängigkeit. Im Regelfall entsteht allerdings erst nach wiederholtem Konsum über einen längeren Zeitraum eine wirkliche Abhängigkeitserkrankung: Vom Probieren über den Gelegenheits- zum Gewohnheitskonsum und den Missbrauch bis hin zur ausgewachsenen Suchterkrankung.
Es gibt körperliche (biologische, genetische), psychische und auch soziale Faktoren, die zur Entstehung einer Sucht beitragen und diese dann auch aufrechterhalten. Diese Faktoren wirken meist zusammen und beeinflussen sich gegenseitig, was im sogenannten biopsychosozialen Modell beschrieben wird.

Körperliche Ursachen

Im familiären Umfeld treten Suchterkrankungen oft wiederholt auf, was auf eine genetische Veranlagung und ein damit einhergehendes erhöhtes Risiko schließen lässt. Stoffgebundene Suchterkrankungen bestehen immer sowohl aus körperlicher als auch psychischer Abhängigkeit, die sich gegenseitig verstärken. Die körperliche Abhängigkeit entsteht durch eine Gewöhnung des Körpers an die regelmäßige Einnahme des Suchtmittels. Folglich wird es immer schneller vom Körper abgebaut und die Wirkung des Stoffes nimmt ab, es entsteht also eine Toleranz gegenüber dem Suchtmittel. Deshalb werden zunehmend höhere Dosen des Stoffes konsumiert, um die erwünschten Effekte zu erhalten.

Psychische Ursachen

Die Botenstoffe, die das Suchtmittel im Gehirn aktiviert, lösen beim Konsumenten einen sogenannten Belohnungseffekt aus, eine bestimmte Stimmung und/oder positive Gefühle. Wenn dieser Zustand immer wieder erreicht werden will, führt das zu einer Verstärkung des Konsumverhaltens. Dabei können neutrale oder zunächst unabhängige Reize wie bestimmte Situationen, Orte oder Gemütszustände, Suchtdruck auslösen, wenn sie mit dem Konsum assoziiert werden. Diesen Lernvorgang nennt man klassische Konditionierung.
Ein Beispiel: Du gehst spazieren, bist ein wenig erschöpft und kommst an einer Bank vorbei, wo du eine Weile sitzen bleibst. Du rauchst nur selten und eigentlich nur im Freundeskreis, aber jetzt hast du Lust auf eine Zigarette und gönnst dir eine auf der Bank. Der neutrale Reiz „Bank“ wird nun mit den positiven Gefühlen verknüpft, die das Rauchen in dir auslöst. So wirst du vielleicht auch das nächste Mal, wenn du an der Bank vorbeikommst, wieder das Verlangen nach einer Zigarette verspüren, obwohl du „eigentlich nur“ in geselliger Runde rauchst.
Auch psychische Belastungen und traumatische Erfahrungen wie Vernachlässigung oder Missbrauch können einen späteren Suchtmittelkonsum als Bewältigungsstrategie begünstigen.

Soziale Ursachen

Das persönliche Umfeld des Betroffenen, wie beispielsweise die elterliche Vorbildfunktion und die häusliche Umgebung, spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung oder Begünstigung von Suchterkrankungen. Der Suchtmittelkonsum der Eltern stellt also durchaus einen Risikofaktor dar.
Auch gesellschaftliche Faktoren können bei der Entstehung einer Suchterkrankung ursächlich sein. Die Verfügbarkeit von Suchtmitteln wie Tabak oder Alkohol wird gerade bei Jugendlichen häufig durch die Schulform und das soziale Milieu bestimmt. Insbesondere illegale Drogen sind in Städten leichter zugänglich als auf dem Land. Vor allem bei Jugendlichen kann auch der Gruppenzwang den Einstieg in ein Konsumverhalten bewirken. Suchtmittel dienen dabei häufig dazu, ein höheres Ansehen, Anerkennung und Beliebtheit in der Gruppe zu erlangen und Unsicherheit zu überspielen.

Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Faktoren kann an folgendem Beispiel gut nachvollzogen werden:
Deine Clique will in einen Club zum Tanzen gehen. Du hast wenig Selbstbewusstsein und denkst, dass du nicht gut tanzen kannst. Zum Einstieg in die Partynacht trinkst du ein Bier mit den anderen und merkst, dass du entspannter wirst. Weil du weniger gehemmt bist, macht dir der Abend richtig Spaß. Beim nächsten Mal wird dein Gehirn vielleicht diese Situation – Ausgehen mit Freunden – automatisch mit Alkohol assoziieren, du wirst vielleicht bewusst mehr trinken, um dein Selbstbewusstsein zu steigern. Wahrscheinlich wird dir in zukünftigen Nächten Alkohol aufgedrängt, auch wenn du einmal darauf verzichten willst. Hier wirken die psychischen und körperlichen Effekte, die das Suchtmittel Alkohol in deinem Gehirn auslöst, zusammen mit dem Druck der Peergroup, also sozialen Faktoren, und verstärken sich gegenseitig.

Gründe für einen Ausstieg

Häufig ist es schwer, wieder von einem Suchtmittel loszukommen. Das Überwinden einer Abhängigkeitserkrankung bedarf enormer Willenskraft und meist professioneller Unterstützung. Sich sein Problem einzugestehen und Hilfe zu suchen, stellt dabei den ersten Schritt und gleichzeitig eine große Überwindung dar. Hier findest du einige Gründe für den Ausstieg, die dir dabei helfen können, aus der Sucht rauszukommen.

1. Freiheit gewinnen: Nicht das Suchtmittel bestimmt dein Leben, sondern du selbst kannst wieder frei entscheiden.

2. Probleme bewältigen: Du kannst endlich deine wahren Probleme angehen und dauerhafte Lösungen finden, ohne von deinem Suchtmittel abgelenkt oder benebelt zu sein.

3. Würde erhalten: Schluss mit den peinlichen Situationen, die durch dein Konsumverhalten entstehen, und kein böses Erwachen mehr nach dem Rausch vom Vorabend.

4. Kein Verstecken oder Schuldgefühle mehr: Wenn du zugibst, dass du ein Problem hast, kannst du die nötige Hilfe bekommen und auf die Unterstützung deines Umfelds zählen. Du gewinnst die Kontrolle über dein Leben zurück.

5. Körperliches Wohlbefinden: das Glücksgefühl durch die Substanz ist nur von kurzer Dauer – nun hast du die Chance auf dauerhaftes und gesundes Wohlbefinden.

6. Soziale Kontakte: Ob Freunde und Verwandte, die sich von dir distanziert haben, oder die Partnerschaft, die unter deinem Konsumverhalten leidet: Alle deine Beziehungen kannst du durch einen Ausstieg deutlich entlasten und verbessern.

7. Mach es wie andere Menschen, die Probleme haben oder krank sind: Lass dich von Experten dabei unterstützen, wieder gesund zu werden. Es funktioniert!

Therapie und Anlaufstellen

Wenn man als Betroffener wahrnimmt, welche schweren Folgen eine Suchterkrankung haben kann und was die Gründe für einen Ausstieg sind, ist es wichtig zu wissen, dass die Abhängigkeit eine Krankheit ist. Und Krankheiten sind behandelbar! Wie man eine Abhängigkeitserkrankung behandeln kann und was wichtige Anlaufstellen für Süchtige, aber auch für Angehörige sind, erfährst du hier.

Wie behandelt man eine Sucht?

Häufig nimmt die Sucht viel Platz im Leben der Betroffenen ein und der Verzicht scheint kaum vorstellbar. Entscheidend für die Wirksamkeit einer Behandlung ist die Anerkennung des Problems, die Motivation des Betroffenen und das Interesse daran, etwas zu verändern.
Als Ziel einer Therapie gilt es, eine absolute Enthaltsamkeit/Abstinenz des Betroffenen zu erreichen. Ein Teilziel stellt dabei immer die Reduzierung des Konsums dar, die Therapie muss außerdem an das jeweilige Suchtmittel und die Schwere/Ausprägung der Erkrankung angepasst werden. Vor allem bei Verhaltenssüchten (Sexsucht, Kaufsucht, Internetsucht) kann es beispielsweise sinnvoll sein, einen kontrollierten Gebrauch zu etablieren.

Eine Behandlung gliedert sich meist in vier Phasen:

1. Kontakt- und Motivationsphase
Diese findet in der Regel ambulant statt. Durch Beratungsgespräche soll der Betroffene motiviert und für das Thema sensibilisiert werden. Daraus kann dann eine Bereitschaft zur Verhaltensänderung entstehen/angeregt werden. In dieser Phase wird der Zugang zu Behandlungsangeboten hergestellt.

2. Entgiftungsphase
Der körperliche Entzug kann gefährlich sein und wird am besten in einer Klinik unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Bei bestimmten Suchtmitteln besteht die Möglichkeit einer Substitutionsbehandlung, um Entzugssymptome zu mindern. Dabei wird ein Drogenersatzstoff eingesetzt, der die betroffene Person stabilisieren soll und einen schrittweisen körperlichen Entzug ermöglicht, ohne das Lebensumfeld komplett verlassen zu müssen.

3. Entwöhnungsphase
In dieser Phase wird meist durch eine kognitive Verhaltenstherapie die psychische Abhängigkeit der Betroffenen behandelt. Ambulant oder stationär sollen hier Perspektiven für ein Leben ohne Suchtmittel entwickelt, die Persönlichkeit des Betroffenen stabilisiert und das Selbstbewusstsein gestärkt werden. Dabei müssen bestehende Begleiterkrankungen wie beispielsweise Depressionen durch eine Psychotherapie mitbehandelt werden. Allgemein sollen alternative Strategien im Umgang mit Problemen und das Lösen von Konflikten erlernt werden, um Rückfälle in Stresssituationen zu vermeiden.

4. Nachsorge- und Rehabilitationsphase
Diese kann sowohl in der Klinik als auch ambulant stattfinden. In der Stabilisierungsphase sollte weiterhin therapeutischer Kontakt bestehen. Nach der eigentlichen Entwöhnung ist es wichtig, dass die Betroffenen das normale Alltagsleben bewältigen können und ihnen der Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht wird.
Maßnahmen wie Selbsthilfegruppen bieten langfristige Unterstützung dabei, einen Rückfall zu verhindern. Auch das Einbeziehen von Freunden und Familie ist empfehlenswert, um für genügend Rückhalt zu sorgen.

Basis für eine erfolgreiche Entwöhnung und Rehabilitation sind vertrauenswürdige Bezugspersonen und Fachpersonal, ambulante Einrichtungen (Beratungsstellen), Selbsthilfegruppen sowie in den meisten Fällen Fachkliniken für eine stationäre Behandlung. Mit diesen Hilfestellungen können Betroffene ihre Lebensqualität verbessern und ihre Gesundheit (zurück)erhalten.

Schon gewusst

Bei fast allen stoffbezogenen Süchten (außer Nikotinsucht) übernehmen Krankenkassen/Rentenversicherungsträger die Behandlungskosten.

Professionelle Hilfe und wichtige Anlaufstellen

Neben Ärzten, Psychologen und Psychotherapeuten bieten verschiedene Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen Unterstützung für Suchtkranke und deren Angehörige an. Das Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. bietet einen Überblick über alle Beratungs- und Anlaufstellen auch in deiner Nähe. Zusätzlich bietet die DHS umfangreiches Infomaterial zu den Themen Alkoholabhängigkeit, Tabakabhängigkeit, Drogenabhängigkeit, Pathologisches Glücksspielen und vielem mehr. Auch das Deutsche Rote Kreuz, das Blaue Kreuz in Deutschland oder die Caritas Deutschland bieten unter anderem (Online-)Suchtberatung für Betroffene und Angehörige an.
Gerade bei einer Drogenabhängigkeit können außerdem Maßnahmen wie Streetwork, Kontaktläden und Notschlafstellen, aber auch Spritzentausch oder sogenannte Konsumräume die gesundheitliche und soziale Situation des Betroffenen stabilisieren und zusammen mit dem Kontakt zu Fachleuten in entsprechenden Einrichtungen eine Voraussetzung für den späteren Ausstieg bilden.

Wie können Angehörige die Betroffenen unterstützen?

Als Angehöriger eines Betroffenen sollte man vor allem auf ein offenes, klärendes Gespräch bestehen. Es hilft, sich bewusst zu machen, dass die Abhängigkeit eine Krankheit ist, bei der viele Faktoren zusammenspielen und der Betroffene sich nur selten alleine aus der Situation befreien kann. Zeig also viel Verständnis und biete deine Unterstützung an. Vorwürfe und Anschuldigungen führen häufig nur zu einer Verstärkung der Konfliktsituation. Es ist auch nicht ungewöhnlich, als Angehöriger überfordert zu sein. Deshalb ist es ratsam, sich bei Bedarf professionelle Hilfe durch Beratungsstellen, Ärzte oder Psychotherapeuten zu holen.

Risiko und Prävention

Am effektivsten ist eine Suchtbehandlung dann, wenn man so früh wie möglich eingreift. Dafür ist es wichtig, die Risikofaktoren zu kennen, auf die man bei sich selbst und anderen achten kann. Außerdem gibt es Tipps zur Prävention von Suchterkrankungen: Was kannst du tun, um erst gar nicht süchtig zu werden?

Wer ist besonders gefährdet?

Verschiedene Faktoren können einen Menschen besonders anfällig für eine Suchterkrankung machen. Dabei spielen sowohl individuelle Risiken der Person, die soziale Umwelt und Gesellschaft als auch die Art des Suchtmittels eine Rolle.

Persönliche Risikofaktoren

Zu den persönlichen Risikofaktoren zählen sowohl erbliche als auch körperliche Faktoren wie andauernde Schmerzen oder Schlafstörungen Die starke Belastung durch Stress, Leistungsdruck und Überforderung können bei der Entwicklung einer Suchterkrankung ebenso eine Rolle spielen wie belastende Lebensumstände (Trennung vom Partner, Tod eines Angehörigen). Ein zusätzlicher Risikofaktor sind psychische Erkrankungen wie beispielsweise Angststörungen oder Depressionen. Das persönliche Risiko wird außerdem durch bestimmte Einstellungen und Denkmuster erhöht – etwa, wenn man den Konsum als ungefährlich einschätzt oder schon im Jugendalter mit dem Konsum anfängt. Entscheidend sind außerdem die individuelle Erwartungshaltung, die Persönlichkeit, die Resilienz und der Lebensstil einer Person sowie deren frühkindliche Lebenssituation und Erfahrungen.

Soziale Umwelt und Gesellschaft als Risikofaktor

Die soziale Umwelt einer Person setzt sich aus verschiedenen Teilbereichen zusammen. Im Bereich Familie können Eltern oder Geschwister, die konsumieren oder die den Konsum befürworten bzw. billigen, das Suchtrisiko erhöhen. Auch Konflikte, Missbrauch und Vernachlässigung in Partnerschaften oder durch die Familie stellen Risikofaktoren dar. Allgemeine Risikofaktoren sind außerdem mangelnde soziale Ressourcen und Bezugspersonen oder wenig Ansehen und Anschluss an Peergroups, also Gleichaltrige.

Für Jugendliche spielt besonders die Schule eine wichtige Rolle in ihrem Leben und auch für den Einstieg in den Konsum. Schlechte schulische Leistungen und die Einstellung, dass Schule sinnlos ist, können durch ein resultierendes nachlassendes Engagement mit einem erhöhten Konsumrisiko zusammenhängen. Auch konsumierende Klassenkameraden und die Wahrnehmung des Konsums durch die Klassenkameraden sind entscheidend.
Für Erwachsene nimmt entsprechend das Berufsleben eine wichtige Rolle im Alltag ein. Hoher Leistungs- und Konkurrenzdruck mit gleichzeitig wenig Entscheidungsspielraum und Kontrolle über eigene Handlungen sowie allgemein die Über- oder starke Unterforderung im Berufsalltag tragen zu einer erhöhten Suchtgefahr bei.

Die soziale Gemeinschaft, in der sich der Betroffene bewegt, stellt insofern ein Risiko dar, als leichte Verfügbarkeit und günstige Erwerbsmöglichkeiten von Substanzmitteln zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit des Einstiegs in die Sucht beitragen.
Persönliche Werte und Normen und der allgemeine Umgang mit Drogen in einer Gesellschaft können den Konsum begünstigen. Die heutige Konkurrenz- und Leistungsgesellschaft bietet zudem nur wenige Möglichkeiten und Alternativen bei mangelnden Zukunftsperspektiven und verleitet gerade die Personen mit schlechteren Aussichten zu problematischem Konsum.

Risikofaktor Suchtmittel

Die Art des Suchtmittels ist ein entscheidender Risikofaktor, damit zusammenhängend auch die benötigte Dosis und die Verfügbarkeit des Stoffes. Wie hoch ist das Abhängigkeitspotenzial einer Substanz und wie wirkt diese im Körper? Generell stellen höhere Dauer und Intensität des Konsums ein Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung dar.

Kurz gesagt

Allgemein ist es wichtig, dass eine Suchterkrankung trotz der genannten Risikofaktoren immer durch das komplexe Zusammenwirken verschiedener Faktoren entsteht. Wenn also einzelne Risikofaktoren auf dich zutreffen, heißt das noch lange nicht, dass du unweigerlich eine Abhängigkeit entwickeln wirst! Mach dir die Risikofaktoren lediglich bewusst, um dich und andere besser schützen zu können.

Was kann man tun, um nicht süchtig zu werden?

Neben dem Bewusstmachen der möglichen Risikofaktoren für eine Suchterkrankung gibt es auch einige explizite Präventionsmaßnahmen, die du für dich und andere anwenden kannst, um der Entwicklung einer Abhängigkeit vorzubeugen.

1. Allgemeine Aufklärung
Eine allgemeine Aufklärung über Gefahren des Suchtmittelkonsums ist wichtig. Besonders für Jugendliche spielt die Thematisierung zu Hause und in der Schule eine entscheidende Rolle. Insgesamt ist die Aufklärung immer besser als ein generelles Verbot ohne die Klärung von Hintergründen und negativen Folgen.

2. Vorbildfunktion
Gerade Eltern haben durch ihre Vorbildfunktion Einfluss auf ihre Kinder; auch Kindergärtner und Lehrer sind wichtige Vorbilder. Es ist entscheidend, Rauchen oder Alkohol im Beisein von Kindern zu vermeiden und gleichzeitig den Drogenkonsum (der Lehrkräfte) an Schulen zu verbieten. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit legalen Suchtmitteln kann vorgelebt und thematisiert werden, wenn es sich anbietet.

3. Erziehung
Die Erziehung zu selbstbewussten Persönlichkeiten ist wichtig, das heißt: Kinder stark machen und ihnen Wege und Strategien zur Lösung von Konflikten und zur Bewältigung von Problemen zeigen, auch ohne Drogen. Der verantwortungsvolle Umgang mit dem eigenen Taschengeld sollte unbedingt thematisiert werden, gerade bei Jugendlichen, denen höhere Beträge zur Verfügung stehen.

4. Risikogruppen
Aufgrund der genetischen und sozialen Komponente als Risiko der Suchterkrankung macht es Sinn, wachsam zu sein, wenn in der eigenen Familie bereits Abhängigkeitserkrankungen vorhanden sind.

5. Achtsamkeit
Achtsamkeitstraining hilft dabei, alternative Wege zu finden, um das Bedürfnis nach Stressabbau, Entspannung, Anregung oder Wohlbefinden zu befriedigen. Hierzu zählen beispielsweise ein erfüllendes Freizeit-Leben, Entspannungsübungen, Sport oder Naturerlebnisse.

6. Suchtpotenzial
Allgemein ist es sinnvoll, Substanzen mit einem hohen Suchtpotenzial, die sehr schnell abhängig machen, zu meiden – dazu gehören vor allem Crack … oder auch das legale Nikotin.

7. Konsumverhalten
Damit der Substanzkonsum nicht zu einer Routine wird, die automatisch zum Alltag gehört, ist es förderlich, einen bewussten Umgang mit Suchtmitteln zu erlernen. Der gelegentliche und maßvolle Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol zum Genuss oder in Gesellschaft ist in der Regel unbedenklich.

8. Selbstreflexion
Wenn man von Freunden, Kollegen oder der Familie besorgt auf sein Konsumverhalten angesprochen wird, ist es wichtig zu reflektieren und die Sorgen der anderen ernst zu nehmen.

9. Frühzeitige Hilfe
Wenn du selbst merkst, dass der Konsum eines bestimmten Mittels oder bestimmte Verhaltensweisen immer wieder außer Kontrolle geraten, dann zögere nicht, dir frühzeitig Hilfe bei Beratungsstellen und Experten zu holen. Das frühzeitige Erkennen und Eingreifen erleichtert eine erfolgreiche Behandlung.

10. Soziale Ressourcen
Ein unterstützendes Umfeld in Familie, Arbeit und Schule gibt dir Kraft und Rückhalt. Hier erhältst du den nötigen Beistand und Hilfe, um Probleme und Konflikte zu lösen und neue Bewältigungsstrategien zu erlernen.

11. Persönlichkeit
Vertrauen in die eigene Person, Charakterstärke und ein gesundes Selbstwertgefühl sind wichtige Eigenschaften, die dir auch bei der Prävention von Suchterkrankungen helfen können. So fällt es dir leichter, mit Gruppenzwang, Misserfolgen oder stressigen Situationen umzugehen.

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Annalena Jachnik

Annalena Jachnik hat Psychologie studiert. Sie ist der Meinung, dass Körper und Geist eng miteinander verknüpft sind. Es ist also wichtig, auf beides zu achten, um sich wohlzufühlen und mit Energie und Lebensfreude seinen Alltag zu meistern. Sie möchte andere Menschen dazu inspirieren, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und sie dabei mit ihrem Wissen unterstützen. Als ehemalige Leichtathletin und nun Freizeit-Sportlerin weiß sie, was für einen positiven Effekt Sport auf Körper und Psyche hat. Insgesamt steht sie für mehr Toleranz, Akzeptanz, Verständnis und Rücksicht gegenüber anderen und sich selbst.

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