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Warum sagst du „Ja“, wenn du „Nein“ meinst?

Autorenbild von Fabian Laukamp
Fabian Laukamp
25.01.2021 | 4 Minute(n) Lesezeit

Jemand braucht unsere Hilfe oder Unterstützung und selbstverständlich fällt es uns schwer, eine Bitte oder Forderungen auszuschlagen. Die Gründe dafür liegen nicht nur in uns selbst, sondern auch im Verhalten unseres Gegenübers.

Diese Rolle spielst du

1. Du hast Angst davor, abgelehnt und nicht mehr gemocht zu werden.

Man muss nicht von jedem Menschen gemocht werden und das geht auch gar nicht – dafür sind Menschen in ihren Persönlichkeiten zu unterschiedlich. Am besten, du entscheidest dich ganz bewusst dafür, welche Menschen dir wirklich wichtig sind. Ein Mensch, der dich nicht mag, nur weil du nicht tust, was er sagt, sollte dir egal sein.

2. Du hast Angst davor, egoistisch zu wirken.

Diese Angst ist weit verbreitet. Genau diese Überlegung zeigt allerdings, dass du kein Egoist bist. Wirkliche Egoisten machen sich nämlich gar keine Gedanken über die Auswirkungen ihres Verhaltens. Du hingegen scheinst dir Gedanken darüber gemacht zu haben, wie dein Verhalten auf andere wirkt und was das zur Folge haben könnte. Das ist alles andere als egoistisch. Falls dich jemand egoistisch nennt, weil du „Nein“ sagst, kannst du selbst einschätzen, ob etwas an dieser Behauptung dran ist. Wahrscheinlich kam dein „Nein“ nämlich nicht „einfach so“, sondern erst durch einige Überlegungen zustande.

Tipp

Wenn du dir nicht ganz sicher bist, frag am besten einen guten Freund, wie er dich einschätzt.

3. Du hast Angst davor, was ein „Nein“ an Konsequenzen mit sich bringt.

Diese Angst ist völlig normal, denn selbstverständlich ist es so, dass ein „Nein“ häufig auch Konsequenzen hat. In vielen Fällen sind die befürchteten Konsequenzen jedoch völlig irrational oder unwahrscheinlich, die Angst davor lässt sich also gar nicht begründen. Konflikte gehören zum Leben und können uns in gewisser Weise auch weiterbringen. Du hast sicherlich schon viele Konflikte in deinem Leben durchgestanden – manche heftiger, manche weniger heftig. Wenn du Konflikte akzeptierst, dann handelst du nicht mehr aus Angst vor der Reaktion, sondern so, wie du möchtest. Dadurch bist du deutlich weniger abhängig von dem Verhalten anderer Menschen und kannst darauf achten, was du in diesem Moment brauchst.

4. Du hast Angst davor, etwas zu verpassen.

Wir müssen eigentlich nicht jeder Einladung zustimmen und bei jeder Veranstaltung dabei sein – trotzdem sagen wir zu, häufig aus Angst davor, etwas zu verpassen. Was kannst du für dich tun? Versuche, Prioritäten zu setzen. Was ist dir wirklich wichtig? Wo willst du wirklich dabei sein und wo gehst du nur hin, weil du „musst“ oder der Meinung bist, dass es wichtig wäre, selbst wenn du überhaupt keine Lust hast? Hast du dir erst einmal bewusst gemacht, was dir wirklich Spaß macht, fällt dir die Entscheidung viel leichter. Manchmal kann man auch einen Mittelweg finden. Du hast dich mit Freunden zum Sport verabredet und freust dich schon wahnsinnig darauf, aber am gleichen Abend feiert eine Tante Geburtstag?! Vielleicht kannst du ja die Sportrunde ein oder zwei Stunden vorschieben und danach geht es zum Geburtstag? Oftmals ist es kein Entweder-oder, wenn es gelingt, Termine ein bisschen zu verschieben … und fragen kostet nichts!

5. Du hast das Bedürfnis, gebraucht zu werden.

Viele Menschen freuen sich darüber, wenn sie anderen helfen können. Das ist per se auch gar nichts Schlechtes. Kritisch wird es erst dann, wenn wir die Balance verlieren und mehr für andere Menschen da sind als für uns selbst. Wir stellen also unsere eigenen Belange ständig hinten an. Machst du das länger, kann es passieren, dass du dich innerlich ausgebrannt fühlst. Um das zu vermeiden, solltest du immer reflektieren, ob du wirklich gebraucht wirst oder vielleicht auch einmal auf dich verzichtet werden kann, damit du deinen eigenen Aktivitäten nachgehen kannst.

Diese Rolle spielt dein Gegenüber

Die vorherigen Punkte setzen alle bei dir an. Es gibt jedoch auch einige Gründe, die vom Gegenüber ausgehen und dich davon abhalten, „Nein“ zu sagen. In den meisten Fällen macht dein Gegenüber es dir nicht gerade leicht, ein „Nein“ auszusprechen. Das ist insofern verständlich, als dieser natürlich eine bestimmte Absicht verfolgt – deine Unterstützung. Damit wir den Forderungen unseres Gegenübers nachkommen, nutzt dieser – meist ziemlich unbewusst – verschiedene Strategien, um sein Ziel zu erreichen:

  • Dein Gegenüber versucht, Schuldgefühle bei dir auszulösen.
  • Dein Gegenüber versucht dir zu schmeicheln.
  • Dein Gegenüber versucht dich zu erpressen.
  • Dein Gegenüber versucht, Mitleid bei dir zu erzeugen.
  • Dein Gegenüber versucht, den Druck auf dich zu erhöhen.
  • Dein Gegenüber versucht dich zu überrumpeln.

Du wirst dich jetzt sicherlich fragen, was du dagegen tun kannst. Wenn du eine der oben genannten Strategien bei deinem Gegenüber beobachtest, kannst du deine Wahrnehmung selbstverständlich direkt äußern. Versuche, das eingesetzte Mittel deutlich, jedoch freundlich anzusprechen. Du könntest zum Beispiel antworten:

  • „Dein Kompliment schmeichelt mir sehr, aber ich kann dir trotzdem nicht helfen.“
  • „Ich fühle mich gerade überrumpelt und möchte gerne in Ruhe darüber nachdenken.“

Bestimmt hast du jetzt festgestellt, dass es eine ganze Reihe von Gründen gibt, welche dich davon abhalten, „Nein“ zusagen und Forderungen abzulehnen. Es ist also gar nicht immer so einfach, richtig zu reagieren. Mit dem Wissen aus diesem Beitrag tust du dich beim nächsten Mal aber bestimmt etwas leichter!

Autorenbild von Fabian Laukamp
Fabian Laukamp

Ich bin Psychologe und mich interessiert alles, was dir hilft, ein besseres und gesünderes Leben zu führen. Meine Lieblingsthemen sind Stressmanagement und Schlaf. Wenn ich nicht gerade in meinen Laufschuhen unterwegs bin, dann probiere ich gerne verschiedene Sportarten oder tobe mich kreativ in meiner Küche aus.

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