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Wie funktioniert das Immunsystem?

Autorenbild von Daniel Büschel
Daniel Büschel
20.10.2021 | 8 Minute(n) Lesezeit

Gerade in der kälteren Jahreszeit ist oft die Rede davon, dass wir unser Immunsystem stärken müssen. Aber was ist das eigentlich? Und wodurch wird das Immunsystem gestärkt?

Was ist das Immunsystem?

Vereinfacht gesagt handelt es sich beim Immunsystem um die Polizei im Körper. Alles, was nicht körpereigen ist ⎼ Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten oder andere Fremdstoffe ⎼, wird von der Immunabwehr unschädlich gemacht. Das funktioniert durch das Zusammenspiel bestimmter Zellen, Signalstoffe und Gewebe und gehört zu den komplexesten Systemen im menschlichen Körper. Die Abwehr der Erreger findet auf zwei unterschiedlichen Ebenen statt, weshalb man das Immunsystem auch in zwei Teile aufteilen kann: Das unspezifische und das spezifische Immunsystem.
Das unspezifische Immunsystem reagiert auf alle Krankheitserreger gleich. Es besteht in erster Linie aus äußeren Barrieren, die einen natürlichen Schutzwall gegen Fremdkörper und Erreger darstellen. Zu ihnen gehören Haut, Speichel, Schleimhäute, die Tränenflüssigkeit im Auge und die Magensäure. Auch bestimmte weiße Blutkörperchen wie die Fresszellen können dem unspezifischen Immunsystem zugeordnet werden. Diese Schutzmechanismen sind der Grund, warum viele der potenziellen Krankheitserreger ihr eigentliches Ziel niemals erreichen.

Wenn das unspezifische Immunsystem überfordert ist und die Erreger nicht neutralisieren kann, kommt das sogenannte spezifische Immunsystem zum Zug. Das heißt so, weil es speziell gegen bereits bekannte Erreger wirkt, und besteht aus spezialisierten Abwehrzellen, den B- und T-Lymphozyten. Das sind weiße Blutkörperchen, die schon einmal Kontakt mit diesen Eindringlingen hatten und sich deshalb an sie „erinnern“. Dadurch ist das spezifische Immunsystem in der Lage, beim Angriff eines bekannten Erregers schnell und effektiv zu handeln. Bestimmte Enzyme unterstützen die Abwehrzellen dabei und machen die Eindringlinge unschädlich.

Schon gewusst

Das unspezifische Immunsystem ist angeboren und schützt bereits Babys vor Krankheitserregern. Das spezifische Immunsystem muss sich dagegen erst entwickeln und wird im Laufe des Lebens durch jeden Erregerkontakt trainiert. Man spricht deshalb auch von einem erworbenen Immunsystem.

Weitere Aufgaben des Immunsystems sind neben der Immunabwehr die Kontrolle der körpereigenen und „ungefährlichen“ Mikroorganismen (z. B. des Mikrobioms im Darm und auf der Haut), die Tumorabwehr und die Wundheilung.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Die unspezifische Immunabwehr ist die erste Barriere, die Eindringlinge überwinden müssen. So werden zum Beispiel bestimmte Erreger bereits im Mundraum durch den Speichel und die Schleimhäute „abgefangen“. Diese äußeren Barrieren haben einige Tricks auf Lager: Die Haut bildet nicht nur eine greifbare anatomische Schutzhülle, sondern hat auch einen leicht sauren pH-Wert, der einige Erreger schwächt. Die Magensäure ist deutlich aggressiver und würde ohne geeigneten Schutz sogar unsere Zellen und Organe auflösen! Da haben Erreger kaum eine Chance.
Die Tränenflüssigkeit und der Speichel enthalten das Enzym Lysozym, das die Zellwand vieler schädlicher Mikroorganismen zerstören kann. Schleim sorgt in den Atemwegen dafür, dass eingeatmeten Schadstoffe zunächst kleben bleiben und durch die Bewegung der Flimmerhärchen wieder nach außen transportiert werden. Auch Reflexe wie Husten oder Niesen schützen vor Erregern und befördern sie nach draußen.
Sollte dennoch ein Eindringling in den Körper geraten, kommen die Fresszellen ins Spiel. Sie gehören zu den weißen Blutkörperchen, den Leukozyten, und werden in unserem Knochenmark gebildet. Von hier aus wandern sie durch den Körper und können mithilfe von Rezeptoren die Proteinstruktur auf der Oberfläche von Krankheitserregern erkennen. Haben sie einen Erreger identifiziert, fressen sie ihn direkt vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes einfach auf: Sie schließen ihn ein und „verdauen“ ihn. Die Überreste des Erregers wandern an die Oberfläche der Fresszellen und können so vom spezifischen Immunsystem erkannt und bekämpft werden.
Hierbei werden sie von Enzymen unterstützt. Diese helfen bei der Suche nach Eindringlingen, markieren sie für die Fresszellen oder bekämpfen sie direkt, indem sie bei Bakterien die Zellwand oder bei Viren die Hülle zerstören.
Ein dritter wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems sind die sogenannten natürlichen Killerzellen. Sie sind darauf spezialisiert, vor allem virusinfizierte und tumorartig veränderte Körperzellen zu erkennen, weshalb sie nach Zellen mit veränderten Oberflächen fahnden. Solche mutierten Zellen lösen sie mit Hilfe von Zellgiften auf.

Ist die unspezifische Immunabwehr überfordert, greift die spezifische Immunabwehr ein. B- und T-Lymphozyten (bestimmte weiße Blutkörperchen) sind dabei die wichtigsten Bestandteile. T-Lymphozyten spüren von Viren befallene Zellen auf, um sie zu zerstören und so eine weitere Virusausbreitung im Körper zu verhindern. B-Lymphozyten sind für die Bildung von Antikörpern zuständig. Antikörper können Keime und andere potenziell schädliche Stoffe schnell erkennen und an sich binden. So verhindern sie, dass sich der Krankheitserreger selbst an normale Körperzellen anheftet und diese infizieren kann, und locken weitere Abwehrzellen an.
Ein Teil sowohl der B- als auch der T-Lymphozyten entwickelt sich nach dem ersten Erregerkontakt zu Gedächtniszellen. Dringt der gleiche Erreger zu einem späteren Zeitpunkt erneut in den Körper ein, „erinnert“ sich das spezifische Immunsystem daran (mehr oder weniger lang) und setzt sofort die passende Immunreaktion in Gang. Deshalb erkranken wir an manchen Infektionskrankheiten nur einmal im Leben und sind dann gegen diese Erreger „immun“.

Schon gewusst

Impfungen funktionieren genau nach diesem Prinzip. Der in der Regel harmlose Impfstoff spielt dem Körper einen Erreger vor. Daraufhin bilden sich spezifische Antikörper und das Immungedächtnis aus. Trifft das Immunsystem dann in Zukunft auf den „echten“ Erreger, kennt es diesen schon und kann ihn schnell und effektiv abwehren.

Was stärkt das Immunsystem?

Sport

Wer sich regelmäßig sportlich betätigt, wird im Durchschnitt deutlich seltener krank. Dabei hat schon tägliches Spazierengehen einen nicht unerheblichen Einfluss. Sport – vor allem in der freien Natur – stimuliert ab einer gewissen Belastung das Immunsystem. Das liegt daran, dass Sport vom Körper immer mit einer Stressreaktion in Verbindung gebracht wird: Vor evolutionär nicht allzu langer Zeit mussten wir noch dem Säbelzahntiger mit einem schnellen Lauf entkommen. Während dieser Belastung hat sich unser Immunsystem schon auf mögliche Komplikationen wie das Erleiden von Schürfwunden oder das Eindringen von Krankheitserregern vorbereitet. Dadurch war es in der Lage, etwa bei einer Verletzung sofort zu reagieren und eine mögliche Infektion direkt zu unterbinden.
Beim Sport kommt es deshalb zu einer sogenannten Leukozytose – viele verschiedene Blutkörperchen, die für die Immunabwehr zuständig sind, sind vermehrt im Blutkreislauf vorzufinden. Zwar fallen diese Parameter kurz nach der Sporteinheit wieder ab, doch bei einigen lässt sich mittel- und langfristig trotzdem ein leichter Anstieg erkennen. Auch die Immunkörper an sich arbeiten leistungsfähiger und sind aktiver. Wird dein Körper also mit Krankheitserregern konfrontiert, kann er sich akut besser dagegen wehren. Typische Infektionskrankheiten der Atemwege wie etwa Erkältungen, Entzündungen des Rachens und der Mandeln sind bei Freizeit-Sportlern im Vergleich zu Untrainierten deshalb deutlich seltener.
Es kommt dabei jedoch auf die richtige Dosis an: Sind Umfang und Intensität des Sports deutlich zu hoch, kommt es zu einer Überstimulierung und infolgedessen zu einer Schwächung des Immunsystems. Das kann das Risiko für das Eindringen von Krankheitserregern erhöhen.

Kurz gesagt

Moderate körperliche Bewegung stärkt die Immunabwehr, während zu viel Sport mit zu hoher Intensität das Immunsystem eher schwächt.

Von entscheidender Bedeutung ist also ein angemessenes Verhältnis von Be- und Entlastung. Zu empfehlen sind Sportarten, die dich nicht ans absolute Belastungslimit bringen, sondern deinen Körper eher moderat belasten – sei es nun Yoga, Krafttraining oder Jogging. Aus wissenschaftlicher Sicht hat moderates aerobes Ausdauertraining, das über mindestens 30 Minuten ausgeführt wird, die größten positiven Auswirkungen auf das Immunsystem.

Tipp

Bei akuten Infekten solltest du keinen Sport treiben, da dadurch die Erreger schneller im Körper verteilt werden und es zu einer Herzmuskelentzündung kommen kann.

Gesunde Ernährung

Auch die richtige Ernährung sorgt für eine starke Immunabwehr. Fisch enthält das für das Immunsystem wichtige Vitamin D, das besonders im Winter aufgrund der fehlenden Sonneneinstrahlung nur ungenügend in der Haut gebildet werden kann.
Viel frisches Obst und Gemüse versorgen den Körper mit wichtigen Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen und sorgen damit für einen gesunden Darm. Das hat einen direkten positiven Einfluss auf unser Immunsystem, denn Ballaststoffe dienen unseren Darmbakterien als Nahrung und die arbeiten kräftig mit, wenn es um die Abwehr von Krankheitserregern geht. Auch ein Großteil der Antikörper-produzierenden Zellen befindet sich im Darm.
Spurenelemente wie Zink und Eisen spielen eine wichtige Rolle bei der Bildung von Antikörpern und Abwehrzellen sowie der Funktion der weißen Blutkörperchen und tragen ebenfalls zu einem funktionierenden Immunsystem bei. Sie sind besonders in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthalten.
Achte außerdem darauf, immer genügend zu trinken, um deine Schleimhäute feucht zu halten. Trocknen sie aus, ist ihre natürliche Barrierefunktion geschwächt, wodurch Viren und Bakterien leichtes Spiel haben.

Stressabbau

Akuter, kurzfristiger Stress ist ⎼ ebenso wie moderater Sport ⎼ kein Problem, er wirkt sogar stimulierend auf unser Immunsystem. Das Stresshormon Cortisol alarmiert nämlich die unspezifische Immunabwehr. Bei chronischem Stress ist jedoch der Cortisolspiegel im Blut dauerhaft erhöht, was zum Gegenteil führt, nämlich einer Unterdrückung der Aktivität des Immunsystems. Man spricht dabei auch von einer immunsuppressiven Wirkung: die Zahl der Abwehrzellen im Blut sinkt und die Fresszellen sind weniger aktiv. Deshalb ist es wichtig, Entspannung in deinen Alltag einzubauen. Dazu gehört ⎼ neben regelmäßiger Bewegung ⎼ auch das Durchführen von Entspannungsmethoden und der richtige Umgang mit Stress.

Schlaf

Schlaf stärkt das Immunsystem, denn er unterstützt die Arbeit der T-Lymphozyten. Die spüren infizierte Zellen auf, um sie zu zerstören, und sind besonders nachts aktiv. Schlafmangel dagegen hemmt die Fähigkeit der T-Lymphozyten, an infizierte Zellen anzudocken, um sie unschädlich zu machen.

Welche Krankheiten des Immunsystems gibt es?

Nicht immer funktioniert unser Immunsystem reibungslos. Ein hohes Alter, ungesunde Verhaltensweisen wie eine vitaminarme Ernährung, Rauchen oder Alkoholkonsum oder auch Stress können unser Immunsystem schwächen.
Manchmal reagiert unser Immunsystem auch über oder fehlerhaft. Das ist beispielsweise bei Allergien oder Autoimmunerkrankungen der Fall. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem gegen gesundes, körpereigenes Gewebe. Autoimmunerkrankungen können jedes Gewebe und auch Organe betreffen.

Allergien

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem unverhältnismäßig stark. Es verteidigt den Körper gegen Stoffe, die eigentlich nicht bedrohlich sind. So bilden Allergiker Antikörper beispielsweise gegen Baum- oder Gräserpollen, Kuhmilch, Nüsse oder andere Lebensmittel, aber auch gegen Medikamente.

Autoimmunerkrankungen

Bei den sogenannten Autoimmunerkrankungen richtet sich die Immunabwehr gegen körpereigene Strukturen wie Zellen oder Organe. Ein Beispiel ist Typ-1-Diabetes, bei dem die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die für die Insulin-Produktion verantwortlich sind, durch körpereigene Abwehrzellen zerstört werden. Auch Multiple Sklerose wird durch die eigenen Abwehrzellen verursacht. Diese greifen die Myelinscheiden um die Nervenstränge an und legen die Nervenbahnen offen, was dann zu Entzündungen und einer fehlerhaften (oder fehlenden) Übertragung von Signalen führt. Weitere Immunerkrankungen sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Rheuma oder Psoriasis (Schuppenflechte).

Fazit

Das Immunsystem ist ein ausgeklügelter Mechanismus, der dafür sorgt, dass sämtliche Erreger und Eindringlinge wie Viren oder Bakterien zerstört werden, bevor sie im Körper Schaden anrichten können. Mit einer gesunden Lebensweise kannst du dein Immunsystem bei seiner Arbeit unterstützen und deine Immunabwehr stärken. Auch bei Autoimmunerkrankungen und Allergien kann ein bewusster und gesunder Lebensstil und Rücksichtnahme auf Auslöser die Lebensqualität verbessern.

Autorenbild von Daniel Büschel
Daniel Büschel

Daniel Büschel ist Gesundheitsmanager. Für ihn ist klar, dass die meisten körperlichen Probleme aufgrund von zu wenig Bewegung entstehen. Auch eine gesunde Ernährung ist für ihn ein wichtiger Faktor. Deshalb möchte er andere Menschen dazu inspirieren, sich mehr zu bewegen und sich mit der eigenen Gesundheit zu beschäftigen. Seine Leidenschaft sind Functional Fitness und das Training mit dem eigenen Körpergewicht. Sein Motto: "The body is made for movement, so don't waste it. Move yourself!"

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