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Ist Vielsitzen wirklich so schädlich?

Autorenbild von Robin Hofbauer
Robin Hofbauer
26.03.2021 | 3 Minute(n) Lesezeit

Warum sitzen wir eigentlich zu viel?

Egal ob als Schulkind in der Klasse, als Arbeitnehmer im Büro oder als Rentner vor dem Fernseher – kulturell und gesellschaftlich gesehen passiert es fast automatisch, dass wir Tätigkeiten sitzend verrichten. Grund hierfür sind vor allem zwei Revolutionen in der evolutionsbiologischen Geschichte der Menschheit geworden: Die landwirtschaftliche und die technologische Revolution.

Die landwirtschaftliche Revolution vor ca. 12.000 Jahren gab uns die Möglichkeit, durch den Anbau von Getreide (und später auch die Haltung von Nutztieren) Nahrung in großer Menge zu produzieren. In dieser Zeitspanne wurde auch das langfristige Lagern von Lebensmitteln erfunden. Wir waren fortan nicht mehr darauf angewiesen, den Hauptteil unseres Tages damit zu verbringen, uns beim Jagen von Wildtieren oder dem Sammeln von essbaren Pflanzen im Wald zu beweisen. Dies ermöglichte uns auch, sesshaft zu werden und einen festen Wohnort zu haben. Trotzdem haben sich unsere Vorfahren immer noch viel auf den Feldern oder bei der Tierpflege bewegt.

Einen deutlich stärkeren Einfluss auf das Bewegungsausmaß hatte dann die technologische Revolution im 20. Jahrhundert. Die neuen Informationstechniken, auch unter Zuhilfenahme von Computern, und die Verbesserung unserer Kommunikationsmöglichkeiten durch Funknetzwerke sorgten dafür, dass die Arbeit zunehmend digitaler verrichtet werden konnte. Auch im Haushalt und in der Pflege des Eigentums wurden wir immer mehr durch technische Geräte unterstützt, die uns körperliche Arbeit abnahmen. Selbst in der Industrie reduzierte sich die Arbeit in vielen Bereichen durch die Eingliederung von Maschinen und Robotern auf ein monotones Mindestmaß.

Was passiert beim Vielsitzen in unserem Körper?

Durch seine Bauweise ist unser Körper eigentlich dafür gemacht, ständig in Bewegung zu bleiben und sich fortzubewegen. Bleibt dies über einen längeren Zeitraum aus, gehen damit automatisch negative Effekte einher.

Durch das verringerte Bewegungsausmaß sinkt der tägliche Grundumsatz. Dieser beschreibt, wie viel wir täglich essen müssen, damit unsere Kalorienbilanz ausgeglichen ist. Liegt die Kalorienaufnahme über dem Kalorienverbrauch, nehmen wir zwangsweise zu. Unsere Ernährungsgewohnheiten mit dem übermäßigen Konsum von hochkalorischen Lebensmitteln verschlimmern die Situation zusätzlich. Übergewicht und die damit einhergehenden Krankheitsbilder sind eines der größten Probleme der modernen Medizin geworden.

Eine weitere negative Folge unserer sitzenden Lebensweise ist der Abbau von Muskelmasse. Unser Körper agiert streng nach dem Motto „Use it or lose it“. Das, was für die Bewältigung unserer täglichen Aufgaben nicht benötigt wird, wird abgebaut. Unser Organismus ist nach wie vor auf das Überleben getrimmt. Muskeln kosten in ihrem Unterhalt Energie, die der Körper einsparen muss, wenn die Muskeln gar nicht gebraucht werden. Der Muskelabbau findet im ganzen Körper statt, wodurch unsere gesamte Bewegungsqualität stark abnimmt und unsere generelle körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt.

Besonders kritisch ist dieser Punkt in all jenen Bereichen einzuschätzen, in welchen die Muskeln eigentlich nach wie vor leistungsfähig sein müssten. In erster Linie sind damit der Rumpf und die Wirbelsäule gemeint. Auch beim Sitzen muss hier Stabilisierungsarbeit geleistet werden, damit eine ergonomische Haltung über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten werden kann. Bei schwacher Muskulatur ist es nur eine Frage der Zeit, bis man eine ergonomisch ungünstige Haltung einnimmt. Die Fehlhaltung führt wiederum zu einem weiteren Muskelabbau und schließlich zu Verspannungen sowie anderen schmerzhaften Rückenleiden. Diesen Teufelskreis kann man nur durch ein Mehr an Bewegung und das Miteinbinden von Sportprogrammen zum Aufbau der Rückenmuskulatur durchbrechen.

Tipp

Aus ergonomischer Sicht ist es anzuraten, sitzende Tätigkeiten regelmäßig auf einem Gymnastikball abzuhalten. Durch die Instabilität sind die Rumpf- und Wirbelsäulenmuskulatur ständig gezwungen, die Balance zu halten, was sich wiederum positiv auf ihre Leistungsfähigkeit auswirkt. Denk aber daran, dass du zu Beginn nur kurze Zeit darauf verbringen und das Pensum nach und nach steigern solltest, um Überlastungen und Schmerzen zu vermeiden.

Nicht nur Rücken- sondern auch Nackenschmerzen können die Folge von zu langem Sitzen sein. Daniel zeigt dir im Video 5 Übungen gegen Nacken- und Schulterverspannungen, die du direkt mitmachen kannst!

 

Autorenbild von Robin Hofbauer
Robin Hofbauer

Ich bin Sportwissenschaftler und zusätzlich Trainer für die Bereiche Fitnesstraining, Rückenschule, Nordic Walking und Aquagymnastik. Ich mache einen gesunden Mix aus vielen verschiedenen Sportarten, am liebsten aber Kraftsport. Mein Motto: "Invent yourself. And then reinvent yourself."

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